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Trauerrituale: Abschied nehmen nach dem Tod

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Für den Abschied nach dem Tod eines geliebten Menschen gibt es kein

RITUALE NACH DEM TOD: SO INDIVIDUELL WIE JEDER MENSCH

Wie gehen Menschen mit dem Tod geliebter Personen um?

Trauerrituale spenden Trost und sollten für jeden Menschen individuell gestaltet werden. Trauerrituale geben Halt und Stütze, wenn man sie braucht und wenn man ihre Kraft zu nutzen weiß. Jeder Mensch trauert so anders, wie er selber ist. Als der Tod noch viel unmittelbarer als heute seinen Platz unter den Lebenden hatte, kannte jeder die Rituale, die man bewusst ausführte, um von einem geliebten Menschen nach dem Sterben Abschied zu nehmen. Die Wiederentdeckung kann helfen, die schwere Zeit der Trauer besser zu meistern. Obwohl niemand gefragt wird, ob es ihm recht sei, von einem anderen Menschen oder von sich selbst Abschied zu nehmen, heißt es dennoch plötzlich, damit umzugehen und den Schmerz auszuhalten, den der Tod bringt.

 

Jeder Mensch trauert anders und hat einen Anspruch darauf, dass seine persönlichen Wege der Bewältigung des Schmerzes und des Abschiedes respektiert werden. Sein Weg ist von vielen Höhen und Tiefen geprägt, seine Gefühle befinden sich in einem ständigen, verwirrenden Wechsel, der schwer zu ertragen und mitunter schwer auszuhalten ist. Insofern können die folgenden Ratschläge nur Angebote und behutsame Einladungen zum Nachdenken sein.

RITUALE DER TRADITION

Welche traditionellen Rituale gibt es?

Die Industrialisierung und der medizinische Fortschritt haben mit ihren gesellschaftlichen Auswirkungen den Tod aus der Mitte des Lebens, in dem er früher ganz selbstverständlich gestanden hat, weitgehend verdrängt. Ganz selbstverständlich waren früher gewisse Handlungen und Rituale, die den Menschen Trost und Stütze gegeben haben und die von einer möglichst langen Nähe zum Verstorbenen geprägt waren. Der Mensch war in seinem Schmerz nicht alleingelassen, sondern aufgefangen von einer Tradition, die durch die Vereinzelung in der Gesellschaft unserer Zeit weitgehend in Vergessenheit geraten ist.

TRAUER ZUM ABSCHIEDNEHMEN - WIEDERENTDECKT

Wie kann man die Trauer zum Abschiednehmen nutzen?

Auch wenn nicht geleugnet werden kann, dass viele der Trauerrituale an Aberglauben erinnern und heidnischen Ursprungs sein können, entband dieses ungeschriebene Gerüst von Handlungen die Angehörigen von der völligen Untätigkeit und Hilflosigkeit, in die der Tod die Menschen immer wieder stürzt. Sie können etwas tun!

NACH EINTRITT DES TODES

Was können Sie tun, wenn der Tod eingetreten ist?

Als Trauerritual können Sie zum Beispiel:

  • das Fenster öffnen, damit die Seele fortfliegen kann.
  • Uhren und Spiegel verhängen, denn angesichts des Todes verlieren Zeit und Eitelkeit ihre Bedeutung.
  • dem Bestatter beim Waschen des Toten helfen und die passende Kleidung auswählen und das Ankleiden des Toten übernehmen.
  • bis zu 36 Stunden lang den Toten im Sterbezimmer oder im Wohnzimmer Ihrer Wohnung aufbahren lassen, damit auch Freunde und Nachbarn Abschied nehmen können und
  • dabei die Totenwache halten und so dem Toten lange nahe sein.
  • vom Toten einen Finger-, Hand- oder Fußabdruck nehmen und ihn in Gold fassen lassen. Mit diesem Schmuckstück hat Ihre Trauer einen konkreten Anhaltspunkt.
  • eine Totenmaske abnehmen lassen. Der friedliche letzte Ausdruck des Toten als ob er schliefe kann als starker Anknüpfungspunkt Ihrer Trauer dienen.
  • eine Locke des Toten aufbewahren um noch etwas vom Toten zu halten, ihn noch nicht ganz weggegeben zu haben. Das kann in der ersten Zeit hilfreich sein.
  • einen kleinen Teil der Asche des Toten aushändigen lassen und zum Beispiel als Amulett bei sich tragen.

NICHT ALLES IST GLEICH GUT FÜR JEDEN

Wie kommen Menschen nach dem Tod geliebter Personen zurecht?

Doch prüfen Sie genau, ob diese Vorschläge für Sie geeignet sind und ob sie im ungünstigen Fall nicht das Gegenteil erreichen und den natürlichen Trauerprozess gar behindern! Trauer ist Abschied, und Abschied ist Trennung, beides ist schmerzhaft. Nur nach der Trennung können Sie weiterkommen mit dem Toten im Geist, doch ohne seine Person.

NACH DER BEISETZUNG

Was können Sie nach der Beisetzung tun?

Sie können zum opulenten Leichenschmaus bitten oder einfach bloß zum Kaffee einladen. Das gibt der Trauergesellschaft noch einmal Gelegenheit, sich zum Andenken an den Toten zu versammeln und von ihm zu erzählen. Dieses gemeinsame Mahl kann den nächsten Angehörigen Kraft geben, die Trauer besser zu bewältigen und den ersten schweren Schritt in ein Leben ohne den Verstorbenen zu wagen. Denn nicht nur der Körper ist nunmehr gestärkt, sondern auch die Seele. Nachdem mit dem gemeinsamen Leichenschmaus die Brücke geschlagen wurde zwischen der Erinnerung an das, was war und dem Bewusstsein, dass nichts mehr so sein wird wie zuvor, geht die Trauer in ihre längste, manchmal Jahre dauernde Phase.

DAS RITUAL NACH DEM TOD MUSS STIMMEN, UM ABSCHIED ZU NEHMEN

Wie bestimmt der Tod das Ritual zum Abschied?

Selbstverständlich ist es Ihnen überlassen, eigene Rituale zu finden. Dabei hängt es ganz entscheidend davon ab, wie der geliebte Mensch zu Tode gekommen ist. Ein Unfall oder gar ein Selbstmord verlangt andere Formen als der Hingang eines betagten, lebenssatten Menschen. Die Rituale müssen sowohl zur Situation als auch zum Verstorbenen sowie zu den Angehörigen passen. Der Leichenschmaus ist ein wichtiges Element der Trauerarbeit und steht an der Schnittstelle zwischen Leben und Tod. Danach beginnt die lange Phase der Trauer, die mit eigenen Ritualen gestaltet werden kann.

DIE INNERE KRAFTQUELLE

Woraus können Sie nach dem Tod einer geliebten Person Kraft ziehen?

Die Erinnerung an den Toten kann so zu einer inneren Quelle der Kraft werden, die in der Zukunft ihren Platz hat und die nicht mehr nur Schmerz auslöst und Verzweiflung, als gäbe es keinen Ausweg mehr. Wenn Sie sich von all den Dingen trennen können: der Locke, dem Abdruck, den persönlichen Gegenständen, die dem Toten gehört haben, können Sie sich Ihrem eigenen Leben wieder zuwenden und offen werden für neue Eindrücke und sogar für neue Bindungen.

Bildnachweis: Titelbild © Bernd S. – Fotolia.com

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veröffentlicht am: 07 Januar 2015 - aktualisiert am: 08 Mai 2019

    Autor bei Gartentraum

    Peter Vogel

    Redakteur

    Über den Autor

    Peter Vogel ist der gute Geist von Serafinum.de, der uns schon seit Jahren begleitet. Er arbeitete von Anfang an in unserem Redaktionsteam mit und hat sich seitdem immer wieder tiefgründig mit pietätvollen Themen wie Trauer oder Bestattung auseinandergesetzt.

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