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Anonyme Bestattung - Fragen & Antworten zu diesem Trend

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Eine Bestattung ohne Grabstein oder Gedenktafel sind durchaus üblich. Was für und gegen anonyme Bestattungen spricht und was Sie sonst noch darüber wissen müssen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

DIE ANONYME BESTATTUNG - FRAGEN & ANTWORTEN

Was sollten Sie zu einer anonymen Bestattung wissen?

Die anonyme Bestattung ist ein aktueller Trend – immer mehr Menschen entscheiden sich für eine anonyme letzte Ruhestätte. Wir informieren über Vor- und Nachteile. Hier finden Sie eine Übersicht von häufigen Fragen und Antworten zum Thema Anonyme Bestattung:

GRUNDSÄTZLICHES ZUR ANONYMEN BESTATTUNG

Was versteht man unter einer anonymen Bestattung?

Ich will meinen Angehörigen nicht zur Last fallen!

Wie oft hört ein Bestatter diesen Satz!

 

Gerade die Generation, die den Krieg als Kind miterlebt hat und nun die letzten Jahre eines erfüllten und entbehrungsreichen Lebens vor sich hat, sagt ihn häufig. Unter Last verstehen sie dabei die Pflege des Grabes: Das Bepflanzen, das Laubharken, das Abdecken im Winter, die regelmäßige Umgestaltung, vom Gießen im Sommer ganz zu schweigen. „Das ist zu viel.“ „Das will keiner machen.“ Und bevor sich keiner kümmert — vielleicht weil die Angehörigen teilweise weit verstreut leben, soll es lieber gar nichts geben, was gemacht werden muss: Die anonyme Bestattung erscheint als Alternative — und günstig ist sie obendrein zu haben. Jedenfalls günstiger als die durchschnittlichen 5.000 EUR, die laut Branchenauskunft und herrschender Meinung heutzutage für eine würdige Bestattung angelegt werden muss.

 

Die Anzahl der anonymen Bestattungen nimmt immer weiter zu im Osten mehr als im Westen, im Süden weniger als im Norden. Die langfristigen Konsequenzen einer anonymen Bestattung sind noch nicht absehbar. Hier wird die Urne des Verstorbenen auf einem großen Rasenfeld, das in der Regel von einem zentralen Denkmal geschmückt ist, so beigesetzt, dass die genaue Stelle nur der Friedhofsverwaltung bekannt ist. Auch der Name des Toten ist nirgendwo vermerkt. Das Ablegen von Blumen ist nur an bestimmten Stellen gestattet; an anderen als den vorgesehenen Stellen abgelegte Sträuße werden umgehend abgeräumt.

DER TREND ZUR ANONYMEN BESTATTUNG

Wie entstand diese Variante der Bestattung?

Die Bestatterbranche und die Friedhofsträger klagen aus verständlichen Gründen über diese Entsorgungsmentalität, die mit dem Trend zur anonymen Bestattung zum Ausdruck kommt, doch: Ganz unschuldig sind die Herren und Damen dieses diskreten Gewerbes nicht daran. Es waren die teilweise rigiden Gestaltungsvorschriften auf den kommunalen Friedhöfen, die den Menschen jede Möglichkeit des individuellen Ausdrucks ihrer Trauer und des Andenkens an die Verstorbenen nahmen. Da war lange wenig erlaubt, was die steinerne Monotonie auf den Friedhöfen hätte unterbrechen können. Mit dem Ergebnis: Gleich große und gleich beschriftete Steine kommen nebeneinander zu stehen, einer sieht aus wie der andere, und alles, was Angehörige darüber hinaus auf dem Grab abgestellt hatten – Kerzen, kleine Engel, künstliche Blumen, ein Abbild des Toten – wurde konsequent abgeräumt, da mit der Würde des Ortes unvereinbar. Und auch bei vielen Anfragen von Angehörigen, eigene Gestaltungsideen einzubringen, hieß es nur zu oft: Geht nicht!

Die Konsequenz: Wer will sich das schon gefallen lassen? So kam es zu der im Grunde naheliegenden Überlegung, dann gleich auf alles zu verzichten – die anonyme Grablegung war erfunden. Und sie nahm, sozusagen als stumme Protestbewegung, ihren Siegeszug auf. Gerade für Alleinstehende ohne Anhang hat sie ja auch ihre unbestreitbaren Vorteile.

DIE TRAUER BRAUCHT EINEN ORT

Warum brauchen Trauernde einen festen Anlaufpunkt?

Denn durch ein namenloses Grab auf einem großen Rasenstück ist den Angehörigen und Freunden etwas genommen, was sie für die Bewältigung ihrer Trauerarbeit dringend brauchen: Einen klar definierten Ort, den sie aufsuchen und an dem sie verweilen können. Diese Möglichkeit nimmt ihnen, wer für sich ein anonymes Verscharrtwerden bestimmt. Warum muss die Pflege des Grabes eine Last sein? Darauf verzichten zu müssen kann viel belastender sein! Die Grabpflege ist eine ganz wichtige Aufgabe für die eigene Trauerbewältigung. Trauerforscher bestätigen diese Beobachtung: Die Grabpflege gehört unbedingt zum Abschiednehmen dazu. Sie hilft, den Weg zurück ins Leben zu finden.

VORTEILE DER ANONYMEN BESTATTUNG

Was spricht für die anonyme Beisetzung?

Wer diese Form der Bestattung wählt, möchte seinen Hinterbliebenen die vermeintliche Last der Grabpflege abnehmen und hält sich für so unbedeutend, dass nicht einmal ein Name auf einem Stein von ihm übrig bleiben soll. Diese Bestattungsform ist außerdem konkurrenzlos günstig.

NACHTEILE DER ANONYMEN BESTATTUNG

Was spricht gegen eine anonyme Beisetzung?

Durch das Fehlen eines konkreten Ortes, wie es ein Einzel- oder Reihengrab darstellt, wird vielen Hinterbliebenen die Trauerarbeit erschwert. Oft wird nachträglich eine Umbettung veranlasst. Diese ist verhältnismäßig teuer, aber in der Regel möglich.

ALTERNATIVE: TEILANONYME BESTATTUNG

Was ist eine teilanonyme Bestattung?

Durch das gewandelte Bewusstsein in der Gesellschaft, das sich auch auf die Beschäftigung mit den letzten Dingen erstreckt, hat sich im letzten Jahrzehnt eine Fülle neuer und nicht mehr ganz so neuer Möglichkeiten entwickelt, beides zu erreichen: einen würdigen Ort für die Trauer der Angehörigen und eine pflegearme Grabstätte mit einer namentlichen Bezeichnung zu schaffen. Man kann sich halbanonym auf einem Rasenfeld beisetzen lassen, und der Name ist auf einer daneben stehenden Gedenktafel verewigt. Man kann auch ein Grab auf einem Rasenstück wählen, auf dem Besucher lediglich Blumen ablegen können, dafür aber an einem Stein mit dem Namen des Verstorbenen.

Im Gegensatz zur anonymen Bestattung erhält der/die Verstorbene hier bspw. eine Plakette aus Stein an einer Trauerstele oder Trauerwand, so dass es für die die Hinterbliebenen einen Ort für ihre Trauer und Erinnerung gibt. Der genaue Standpunkt der Urne im Rasenfeld allerdings wird ebenfalls nicht markiert.

GEGEN DIE WEGWERF- & ENTSORGUNGSMENTALITÄT

Welche Schlüsse kann man aus einer anonymen Bestattung ziehen?

Ganz hart formuliert: Der Mensch ist kein Müll. Er verdient mehr, als bloß kostengünstig entsorgt zu werden. Er sei stets so viel wert, dass sein Name auf einem Stein wenigstens für die folgenden Jahrzehnte überdauere. Das gilt ganz unabhängig von seiner Herkunft, seiner Verdienste. Sensible Bestatter können beim Beratungsgespräch sehr leicht herausbekommen, aus welchen Gründen jemand die anonyme Bestattungsart wählen möchte und kann bessere Vorschläge machen. Und die müssen nicht einmal unbedingt mehr kosten.

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veröffentlicht am: 05 Oktober 2014 - aktualisiert am: 09 Mai 2019

    Autor bei Gartentraum

    Peter Vogel

    Redakteur

    Über den Autor

    Peter Vogel ist der gute Geist von Serafinum.de, der uns schon seit Jahren begleitet. Er arbeitete von Anfang an in unserem Redaktionsteam mit und hat sich seitdem immer wieder tiefgründig mit pietätvollen Themen wie Trauer oder Bestattung auseinandergesetzt.

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