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Kummer, Angst, Zorn, Wut – das bewusste Erleben dieser starken Gefühle lässt den Trauernden in eine sehr schmerzhafte Entwicklung treten, die ihn viel Zeit und Kraft kostet. Gezwungen dazu, sich mit sich selbst, aber auch mit der Beziehung zum Verstorbenen intensiv auseinanderzusetzen, kann er neue Kräfte finden, die ihn auf seinem weiteren Lebensweg begleiten werden.

Durch die jahrelange Beobachtung Trauernder ist bekannt, dass sich der Trauerprozess in verschiedene Abschnitte teilt. Diese können von unterschiedlicher Dauer sein, und die einzelnen Abschnitte gehen ineinander über und wiederholen sich sogar. Der Verlust eines geliebten Menschen ist ein Schlag, der das ganze weitere Leben prägen wird, und die Trauer ist dabei eine schmerzhafte Zeit, die von einer ganz eigentümlichen Lebendigkeit geprägt sein kann: Man erfährt etwas über sich – und auch über die Beziehung zum Verstorbenen. Darum sollte man diesen Lebensabschnitt zulassen und so wach und offen wie möglich begegnen. Keinesfalls sollte man den Kummer, den Zorn, die Angst und die Wut verdrängen.

Die Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens

Das ist nicht wahr! Das ist ein Alptraum! Es ist unmöglich!

Dies ist eine kleine Auswahl der ganz typischen Gedanken, die Trauernden in den ersten Stunden und Tagen nach der schlimmen Nachricht in den Sinn kommen. Die Seele steht unter Schock und versucht, sich vor weiteren Verletzungen zu schützen. Im Grunde ist das eine sehr vernünftige Reaktion: Die Schmerzempfindung wird vorübergehend abgeschaltet. Das gibt den Trauernden die Gelegenheit, unbewusst auch Kraft zu sammeln. Denn bei der ersten Phase bleibt es nicht, nach einigen Tagen lässt sich nichts mehr verdrängen, die Seele lässt sich nichts mehr vormachen – nun wird es ernst.

Die Phase der aufbrechenden chaotischen Gefühle

Oftmals beim Anblick der Leiche, wenn es nichts mehr zu verdrängen gibt, bricht ein Sturm los, der sich über der aufgewühlten Seele austobt. Ungeordnet fliegen einem Gedanken und Erinnerungen durch den Kopf: Tragisches und Komisches, Schuld und Sehnsucht, Liebe und Hass. Lang Vergessenes ist plötzlich wieder präsent; Verdrängtes blitzt auf wie am ersten Tag und oftmals widersprechen sich diese Gefühle. Plötzlich ist etwas zum Schreien komisch und dann ist es überhaupt nicht mehr komisch. Ruhige Stunden kommen dazu, Momente der Stille und der Dankbarkeit. Auch Momente der Freude. In dieser Phase klagen Trauernde oft über schlechten Schlaf. Sie mögen nichts essen, sie erkälten sich, sie fühlen sich von allen und allem getrennt. Sie wollen nicht getröstet werden, sie glauben zu wissen, dass es keinen Trost gibt.

Die Phase des Zorns

Zu den erlebbaren chaotischen Gefühlen gehört der Zorn, der sich oftmals auf einfach alles erstreckt – sogar auf den Verstorbenen selber. Wie konnte er nur! Und warum leben alle anderen munter weiter! Was soll das alles überhaupt! Jemand ist schuld, jemand muss schuld sein!
Die Schwere der Gefühle und die oftmals zu erlebende Heftigkeit ihres Ausbruchs zeigen jedoch nur an, wie sehr der Verlust eines Menschen einen Hinterbliebenen mit der ganzen Person trifft. Kein Seelenviertel bleibt ausgespart, die Trauer trifft den ganzen Menschen, und sie trifft ihn hart.

Die Phase des Suchens, Findens und Sich-Trennens

Auch der schlimmste Sturm sänftigt sich, und so geht die Phase der chaotischen Gefühle langsam über in eine des Suchens nach dem Verstorbenen. Jetzt zählt, woran sich der Trauernde erinnert, und dabei können seine Mitmenschen wertvolle Hilfe leisten: wenn sie erzählen, woran sie sich erinnern. Der Trauernde kann in dieser Phase nicht genug davon bekommen, kaum etwas anderes interessiert ihn mehr als der Verstorbene.

Diese Phase dauert bei allen Trauernden sehr lang, weil sie viel Zeit brauchen, um sich über die Auseinandersetzung mit der Beziehung zum Verstorbenen selber neu zu finden. Diese Bemühung um die Erinnerung schafft eine neue, ganz andere Beziehung zum Verstorbenen als die, die vom gemeinsam erlebten Alltag geprägt war.

Durch das immer wieder neu belebte Gefühl des Verlustes kann sich die Beziehung zum Verstorbenen verändern und damit verändert sich der Verstorbene selbst: Er ist nicht verloren, sondern da. Er gehört für den Trauernden zum Leben dazu, aber er hindert ihn nicht mehr, sich dem Leben neu zuzuwenden. Das neue Leben beginnt.

Bildnachweis: Titelbild © mh90photo – Fotolia.com

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